Dienstag, 4. Januar 2011

Rezension: Feed von Mira Grant

Ich hatte eine Ankündigung des Buches auf meinem Lieblings-Blog gelesen und war sofort interessiert. Zudem konnte man das erste Kapitel auf der Homepage der Autorin lesen. Ich war begeistert und musste das unbedingt Buch haben. Es begab sich, dass ich aus beruflichen Gründen den Juni, der Monat in dem das Buch erschien, in Köln verbrachte. Da das Buch bei Amazon noch nicht erhältlich war, klapperte ich gefühlt täglich sämtliche Kölner Buchhandlungen ab – vergebens. Erst im Spätsommer konnte ich das Buch bestellen, da aber noch etwas anderes auf meiner „Zu-lesen-Liste“ stand, musste Feed erst einmal warten.

„Was ließt du gerade?“ – Was war ich in den letzten Wochen froh, wenn mir diese Frage gestellt wurde, konnte ich doch mit „Einen Polit-Thriller über die Entwicklung der Medien in einer postapokalyptischen Welt“ antworten.

Feed spielt im Jahre 2039, 25 Jahre nachdem sich zwei Heilmittel, eins gegen Krebs, das andere gegen Grippe zu einem Virus verbanden, das die Toten wieder auferstehen ließ und sie zu willenlosen Zombies machte. Dieses unaufhaltsame Virus erschütterte die Menschheit in ihren Grundfesten und ließ die Überlebenden zu verschreckten, nervösen Einzelgängern verkommen. In dieser Welt, in der nicht einmal Kinder ohne die Ausrüstung eines US-Marines vor die Tür treten, lädt Senator Peter Ryman eine Gruppe junger Blogger ein, seine Kampagne für die Wahl zum US-Präsidenten zu begleiten. Was zunächst nach der Beobachtung einer langweiligen Wahlkampagne unter hohen Sicherheitsvorkehrungen aussieht, gewinnt rasant an Fahrt, als eine Gruppe von Zombies das Camp des Senators stürmt. Fortan berichten die jungen Blogger nicht nur über die Wahlkampagne des Senators, sondern finden auch heraus, dass es jemand auf den Präsidentschaftskandidaten und seine Familie abgesehen hat. Doch bei ihren Ermittlungen werden sie schnell selbst zur Zielscheibe einer weitreichenden Verschwörung. Und die Verschwörer bedienen sich einer Waffe, die in der Welt von Feed überall vorkommt - dem Zombie-Virus.

Feed beginnt äußerst rasant, flacht nach den ersten Kapiteln aber schnell ab und kommt erst wieder in Fahrt, als die Zombies das erste Mal angreifen. Danach wird die Geschichte erneut zäh wie Kaugummi. Über mehrere Kapitel hinweg, so jedenfalls mein Gefühl, geht es um nichts anderes als Wahlveranstaltungen, neue Gesetze und die Vor- und Nachteiler der verschiedenen Bluttestgeräte. Erst die zweite Hälfte des Buches baut einen konstanten Spannungsbogen auf und raubt dem Leser mehrfach den Atem.

Mira Grant versucht eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Zombies und das Virus, welches zu dem macht, was sie sind, ständig als Damoklesschwert über den Protagonisten hängt. Dabei schießt die Autorin jedoch über das Ziel hinaus, in dem sie zum hundertsten Mal beschreibt, wie die allgegenwärtigen Bluttests ablaufen und welche Art von Schutzweste der durchschnittliche Journalist unter seinem Hemd trägt. Die technischen Spielereien, wie etwa kaum sichtbare Kameras und Mikrofone, die von den Bloggern bei ihrer Arbeit im Jahr 2039 benutzt werden, sind durchaus realistisch. Wenn man in betracht zieht, dass man bereits heute im Internet für unter 150 Euro eine Kamera erstehen kann, die in einem funktionierendem Feuerzeug eingebaut ist, geht Mira Grant in diesem Segment vielleicht sogar ein wenig zu zaghaft vor und hätte ihre Phantasie ein klein wenig mehr schweifen lassen können.

Feed enthält tonnenweise Anspielungen auf Personen, Ereignisse und (Zombie-)Filme aus unseren Tagen. Angefangen bei George A. Romero, über Buffy, bis hin zu Steve Irwin. Das Buch ist Zombie-Fans zu empfehlen, die bereit sind, über längere Strecken auf die übliche Action zu verzichten. Auch Leser, die Interesse daran haben zu erleben, wie sich die Menschheit mit dieser Zombie-Apokalypse im Nacken entwickeln könnte, sei das Buch nahe gelegt.

Feed ist bislang nur im englischen Original erhältlich und der erste Teil der Newsflesh-Trilogy. Für die beiden Fortsetzungen ist bereits genügend Platz in meinem Bücherregal reserviert.

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